Alex O’Loughlin Interview mit dem CBS WATCH! Magazine (DEUTSCH)

Es war Anfang 2010 und dem australischen Schauspieler hatte man gerade die Hauptrolle in einem Reboot des Krimi-Drama Klassikers Hawaii Five-0 angeboten, um in die Schuhe des legendären Jack Lord zu schlüpfen, der die Rolle des wortkarten Top-Cops Steve McGarrett im 50. US-Staat spielte. Die Rolle anzunehmen bedeute nach Oahu zu ziehen, in das Zentrum des wundervollen Insel-Archipels. Es (die Show) sollte zum Selbstläufer werden. Los geht’s: die große Welle und der Titelsong von den Ventures: Dum-duh-da-da-da-dum …

„Ich war hin- und hergerissen“, sagt Alex O’Loughlin, während er die Entscheidung in seinem Haus in Waikikis idyllischem Diamond Head revuepassieren lässt. „Ich hab davor zwei Network Shows gemacht, keine von denen ging über eine Staffel hinaus.“

Er spielte den Vampir-Privat-Detektiv Mick St. John in der kurzlebigen übernatürlichen Romanze Moonlight. Ein Jahr später, verkörperte er Dr. Andy Yablonski im Krankenhaus-Drama Three Rivers, das nach nur 8 Folgen gecancelt wurde. Alles schien besser als arbeitslos in Los Angeles rumzuhängen, doch noch einmal in einer erfolglosen Show, die in der Mitte des Pazifik, 2500 Meilen weg vom Festland spielte, war ein Risiko das er nicht wirklich eingehen wollte.

Ich wusste absolut nichts über Hawaii. Ich habe jeden gefragt, „was soll ich tun? Ist es die richtige Entscheidung?“ sagt O’Loughlin. „Jeder meinte nur, „bist du irre? Was stimmt denn nicht mit dir?“

Er nahm das Angebot an, stieg die ersten Monate im Hilton Hawaiian Village ab. Für Fans der Show, das war dort wo McGarrett und Partner „Danno“ Williams kürzlich für einen gemeinsames Erholungswochenende mit ihren Freundinnen abgestiegen sind  (Anm. Episode 7.16).

„Es war wunderschön (damals), aber ich bekam nicht das richtige Hawaii zu sehen“, sagt O’Loughlin, „ich bekam einen flüchtigen Blick darauf, was nicht Hawaii ist. Den irren, Tourismus überladenen, abgeschmackten  Hotel Part. Ich konnte mir noch immer keinen Reim darauf machen, aber der Pilot (der Serie) fühlte sich richtig gut an.“

Es war und bleibt ein wirklich guter Pilot. Im Nerven aufreibenden Eröffnungssequenz gerät Navy Commander Steve McGarretts Konvoy in den Bergen von Südkorea unter das Raketenfeuer von Bösewichten, die den Waffen- und Drogendealer Anton Hess befreien wollen. Während des Angriffes ist McGarrett am Telefon und muss miterleben wie sein Vater John, von Antons Bruder Victor in Oahu getötet wird. Nicht jedoch bevor der Honolulu Police Officer ein paar kryptische Worte an seinen Sohn richten kann. Spätestens wenn die Wellen brechen und die Titelsequenz läuft, hat man angebissen: McGarrett ist auf Rache aus und hat ein Rätsel zu lösen und du nimmst daran teil. Reboots sind schwierig, aber die Tiefe der Show, gepaart mit O’Loughlins kantiger Darstellung von McGarrett machten die moderne Hawaii Five-0 Version zum sofortigen Hit. Plötzlich begann Oahu sich richtig anzufühlen.

„Die Leute sagen, entweder umarmt dich die Insel oder sie verstößt dich. Für mich war es wie ein Geschenk der Insel so empfangen zu werden und einen Hawaiianischen Namen zu bekommen. Ich fand verschiedene Sachen die mich tiefer und tiefer hineinzogen.“

Mit der Aussicht eine volle Staffel zu drehen, lernte er sich  dem lokalen (Lebens-)Rhythmus anzupassen. Als Unterstützung stand ihm dabei Serien-Kollege Daniel Dae Kim zur Seite, dessen Kenntnisse über Oahu auf die Dreharbeiten zur Serie Lost zurückzuführen sind. Er (Alex) begann zu surfen. Nach ein paar Jahren flog er ein paar Freunde von Australien ein, die ihm dabei halfen ein Anwesen auf Diamond Head, erbaut um die Jahrhundertmitte, wieder instand zu setzen. Dann traf er das Hawaiianische Surfer-Model Malia Jones. Das Paar bekam einen Sohn, Lion, 2012 und heiratete später. Das Haus füllte sich mit Jungs. O’Loughlin brachte seinen Teenager-Sohn Saxon mit in die Ehe und Jones einen Sohn aus einer früheren Ehe, Spike.

„Es ist an der Zeit, das G Wort zu benutzen um das alles in sich aufzunehmen“, sagt O’Loughlin, „ich weiß nicht, was da draußen ist. Ich weiß nicht ob es einen Gott oder mehrere Götter oder einfach eine universelle Energie ist, aber ich weiß, aufgrund dessen was mir passiert ist, dass es was Größeres als mich da draußen gibt.“

Im gleichen Zug mit dem Fortschritt in O’Loughlins Leben in Oahu, schritt auch McGarretts Leben voran jedoch auf einen viel steinigeren Weg. Er rächte den Tod seines Vaters. Seine Mutter, Doris, die für 20 Jahre totgeglaubt war, tauchte plötzlich lebend wieder auf, hatte sie ihren Tod doch vorgetäuscht um den Bedrohungen ihres CIA-Lebens zu entgehen. Er besiegte seinen Erzfeind – den ruchlosen Gangsterboss Wo Fat – der ihn über eine ganze Reihe von Episoden den Mord der Hawaiianischen Gouverneurin in die Schuhe schob, ihn kidnappte und folterte und ihm offenbarte sein virtueller Halbbruder zu sein. Er hatte zwei romantische Beziehungen und verbrachte eine Menge Zeit mit nacktem Oberkörper und noch mehr Zeit damit die Ärsche von Bösewichten zum Trocknen in die Sonne zu hängen.

Hawaii Five-0 Staffeln sind episch – fast alle umfassen sage und schreibe 25 Folgen. Multipliert man das mit 7 steuert O’Loughlin auf die 175. Folge zu. Wenn man einen Charakter dermaßen lang spielt, stellt das was mit dir an. O’Loughlin befindet sich auf einem Territorium, das nur wenige Schauspieler je erreichen. „Das ist so eine Menge“, sagt er. „Das ist für mich eine Meisterklasse. Ich kann mich wirklich jederzeit in McGarretts Gedankenwelt versetzen. Ich besitze eine Art Bibel (bildlich gemeint) die mir sagt in welchem Teil meiner Seele, meines Geistes er sich befindet.“

Mit Wo Fat und seinen familiären Problemen quasi im Rückspiegel, scheint McGarrett ein Quentchen Frieden in der Show zu finden. „Diese Staffel handelte mehr von einem unbeschwerten McGarrett“, sagt O’Loughlin. „Er vermisst seinen Vater noch immer und auch die Sache mit Doris liegt ihm noch im Magen. Aber es ist nicht alles wie, „Argh, ich muss die Welt retten!““

Dennoch ist O’Loughlin froh, den Charakter hinter sich zu lassen wenn die letzten Szenen abgedreht sind. „Er ist schon ein zäher, harter Kerl und ein Navy SEAL. Er ist immer bereit loszulegen, Räume zu betreten und zu sagen, „was tun wir? Was haben wir hier? Ich hatte das große Glück mit vielen Navy SEALs zusammenzuarbeiten, die mir mit dem Charakter halfen. Großartige Kerle. Aber so wie sie zu sein, benötigt eine spezifische Art von Energie und ich hoffe ich bringe diese Energie rüber“, sagt er. „Am Ende des Tages ist es eher so wie „Bleib ruhig und geh über zur nächsten Leiche“.“

Das Paradies bestand nicht immer aus surfen und atemberaubenden Sonnenuntergängen. McGarrett mag ein SEAL und Teflon-Super-Cop sein, aber O’Loughlin ist es nicht, und Verletzungen haben ihren Preis. In den ersten beiden Staffeln bestand er darauf die meisten seiner Stunts selbst zu machen, was jedoch ein Fehler war, wie er heute sagt. Er rattert eine Litanei von Frakturen und diversen anderen Verletzungen herunter, die jede Hitliste von Schnappschuss-Kollationen in Notaufnahmen blass erscheinen lassen würde. „Ich hab eines meiner Knie geschrottet, ich hab mir Sehen und Muskeln gerissen sowie Fußknöchel und beide Schultern und Handgelenke“, sagt er. „Ich hab mir die Vorderzähne ausgeschlagen. Ich habe falsche Vorderzähne. Ich hab mir die rechte Schulter zerfetzt- drei externe Zerrungen, eine Zerrung der Gelenkpfanne und einen Abriss der Sehne im Bizeps. Meine aktuelle Lieblingsverzletzung ist: zwei Bandscheibenvorfälle im unteren Rückenbereich, für die ich eine Stammzellentherapie erhalte, um eine Operation zu vermeiden.“

Diese Verletzung hat O’Loughlin einen gehörigen Schrecken eingejagt. Immer sportlich, gab er alles auf außer Schwimmen. Der Schmerz war so groß, dass er kaum alleine aus dem Bett kam, und er hatte Angst nie einen Football mit seinen Enkeln werfen zu können. Er hatte einen Kontrakt über 8 Staffeln von Hawaii Five-0 abgeschlossen und begann darüber zu sprechen auszusteigen, so lange er es noch konnte.  Aber seit neuesten meint er, dass sein Arbeitspensum leichter wird und die Stammzellen-Injektionen? Die waren „magisch“, sagt er. Heißt das etwa, er will Jack Lords Rekord von 12 Staffeln als McGarrett brechen?

„Das wäre ein Wunder“, sagt O’Loughlin lachend. „Aber ich würde gern wieder zurückkommen (nach Staffel 8) um noch ein oder zwei weitere Staffeln dranzuhängen. Ich denke diese Show ist alles. Sie ist der Kern des Ganzen.“

Eines ist sicher:  O’Loughlin hat sein zu Hause gefunden.

„Die meisten meiner Erinnerungen sind nun hawaiianische Erinnerungen“, sagt er. „Du musst dich nur umsehen. Du musst dir die Wellen im Winter hier ansehen. Da gibt es etwas Größeres als mich in der Welt und ich fühle diese Quelle oder was immer es auch ist, hat etwas mit meiner ganzen Reise zu tun, weil alles jetzt einfach Sinn macht.“

Link zur englischen Version: click me

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